Steigende Energiepreise treffen Haushalte gerade in den Sommermonaten doppelt: Zum einen läuft während des Urlaubs oft unbemerkt eine ganze Reihe von Geräten weiter, obwohl niemand zu Hause ist. Zum anderen versuchen viele, die Hitze in der Wohnung mit Klimageräten in den Griff zu bekommen. Mit wenigen, einfachen Maßnahmen lässt sich sowohl während der Abwesenheit als auch im Alltag zu Hause erheblich Energie und damit Geld sparen – und das, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Wer verreist, lässt die Wohnung oft tagelang oder sogar wochenlang unbeaufsichtigt zurück. Genau in dieser Zeit läuft jedoch häufig unnötig viel Strom durch Geräte im Standby-Betrieb. Je nach Haushaltsgröße kann der reine Leerlaufverbrauch bis zu 20 Prozent der gesamten Stromkosten ausmachen – ein Betrag, der sich mit wenigen Handgriffen deutlich reduzieren lässt.
Geräte konsequent vom Netz trennen. Fernseher, Spielekonsolen, Router, Ladegeräte, Kaffeemaschinen und Ähnliches sollten vor der Abreise vollständig vom Stromnetz getrennt werden – nicht nur ausgeschaltet. Praktisch sind hierfür abschaltbare Steckdosenleisten, mit denen sich mehrere Geräte auf einen Schlag komplett stromlos schalten lassen. Ein einfacher Trick zur Kontrolle: Leuchtende Lämpchen oder Displays, die weiterhin Uhrzeit oder Standby-Status anzeigen, verraten zuverlässig, welche Geräte noch am Netz hängen.
Boiler und Heizung pausieren. Warmwasserboiler zählen zu den größten Energiefressern im Haushalt, da sie kontinuierlich Wasser auf Temperatur halten – auch wenn niemand duscht. Bei längerer Abwesenheit im Sommer lohnt es sich, den Boiler auszuschalten und ebenso die Heizung vollständig abzustellen. Nach der Rückkehr sollte allerdings zunächst rund zehn Liter Wasser aus jedem Wasserhahn ablaufen gelassen werden, bevor das Wasser wieder normal genutzt wird – damit wird das über die Zeit abgestandene Wasser ausgetauscht und dem Risiko einer Legionellenbildung vorgebeugt.
Kühlschrank und Gefrierfach klug nutzen. Wer für längere Zeit verreist, sollte den Inhalt von Kühlschrank und Gefrierfach möglichst aufbrauchen und das Gefrierfach vor der Abreise abtauen. Das reduziert nicht nur den Stromverbrauch während der Abwesenheit, sondern verlängert auch die Lebensdauer der Geräte, da Eisansatz die Kühlleistung verschlechtert und den Energieverbrauch in die Höhe treibt.
Nicht blind alles abschalten. So verlockend es klingt, einfach die Hauptsicherung herauszunehmen, um dem gesamten Haushalt eine „Sommerpause“ zu gönnen – das birgt Risiken. Eine versehentlich stromlos geschaltete Alarmanlage, eine abgeschaltete Gefriertruhe mit noch vollem Inhalt oder eine unterbrochene Frostschutzfunktion können bei der Rückkehr für unangenehme Überraschungen sorgen. Sinnvoller ist es, gezielt einzelne, tatsächlich entbehrliche Geräte vom Netz zu trennen, statt pauschal alles lahmzulegen.
Nicht nur während des Urlaubs, auch im Alltag lässt sich Energie sparen – vor allem, wenn es um die Raumtemperatur geht. Klimaanlagen zählen zu den größten Stromverbrauchern überhaupt und treiben die Stromrechnung in heißen Monaten in die Höhe. Die sich häufenden Hitzewellen haben die Nachfrage nach Geräten stark angekurbelt. Bevor man schwitzend zur Air Conditioning greift, sollte man allerdings Alternativen prüfen – auch bei großer Hitze sind viele wirksam und entlasten zudem den Geldbeutel.
Richtig lüften: nachts und früh morgens. Der wichtigste Grundsatz beim sommerlichen Lüften lautet: kühle Luft rein, warme Luft raus – und zwar dann, wenn es draußen am kühlsten ist. Das ist in der Regel früh morgens oder nachts. Am effektivsten ist eine Stoßlüftung mit Durchzug: Dabei werden möglichst alle Fenster und Türen gleichzeitig für einige Minuten weit geöffnet, sodass ein kräftiger Luftaustausch stattfindet. Tagsüber, wenn die Außentemperatur die Innentemperatur übersteigt, sollten Fenster dagegen geschlossen bleiben. Wer tagsüber dauerhaft lüftet, lässt die warme Außenluft ungehindert eindringen – die Wohnung heizt sich dann auf, und es wird deutlich schwerer, sie später wieder herunterzukühlen.
Sonne konsequent aussperren. Ein großer Teil der Wärme, die sich tagsüber in Wohnräumen sammelt, gelangt über direkte Sonneneinstrahlung durch die Fenster hinein. Rollläden, Jalousien oder dichte Vorhänge sollten deshalb bereits am frühen Morgen geschlossen werden, bevor die Sonne auf die Fenster trifft – nicht erst, wenn es im Raum bereits unangenehm warm ist. Besonders wirksam sind außenliegende Beschattungssysteme, da sie die Wärme schon vor dem Glas abfangen, statt sie erst im Raum zu stoppen.
Ventilatoren statt Klimageräte. Ein Ventilator verbraucht nur einen Bruchteil des Stroms einer Klimaanlage und sorgt durch die Luftbewegung für ein spürbar kühleres Gefühl auf der Haut, auch wenn die tatsächliche Raumtemperatur gleich bleibt. Wer zusätzlich eine Schüssel mit Eiswürfeln oder ein feuchtes Tuch vor den Ventilator stellt, kann den Kühleffekt durch Verdunstungskälte noch verstärken.
Wärmequellen im Haushalt reduzieren. Elektrogeräte wie Fernseher, Computer, Lampen oder auch der Backofen erzeugen im Betrieb zusätzliche Wärme, die den Raum weiter aufheizt. An heißen Tagen lohnt es sich, nicht benötigte Geräte auszuschalten, das Kochen auf den Herd statt auf den Backofen zu verlegen oder in die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verlegen.
Pflanzen als natürliche Klimaanlage. Zimmerpflanzen verdunsten über ihre Blätter kontinuierlich Wasser und senken dadurch messbar die gefühlte Raumtemperatur. Besonders großblättrige Pflanzen eignen sich gut, um in Kombination mit gezieltem Lüften und Verdunkeln ein angenehmeres Raumklima zu schaffen – ganz ohne zusätzlichen Stromverbrauch.
Auf richtige Dämmung achten. Langfristig betrachtet spielt auch die Bausubstanz eine wichtige Rolle: Eine gute Wärmedämmung und moderne Fenster halten im Sommer die Hitze draußen ebenso zuverlässig, wie sie im Winter die Wärme drinnen halten. Wer über größere Renovierungsmaßnahmen nachdenkt, sollte diesen Doppeleffekt bei der Planung berücksichtigen.
In manchen Situationen – etwa bei gesundheitlichen Einschränkungen, sehr hohen Temperaturen über mehrere Tage oder in schlecht durchlüftbaren Wohnungen – lässt sich der Einsatz einer Klimaanlage nicht immer vermeiden. In diesem Fall lohnt sich vorab eine fachliche Energieberatung, um die passende Lösung zu finden.
Empfehlenswert sind grundsätzlich fest installierte Split-Geräte, da sie deutlich effizienter arbeiten als mobile Monoblock-Klimageräte, die einen erheblich höheren Stromverbrauch aufweisen und zusätzlich durch den Abluftschlauch warme Außenluft zurück in den Raum ziehen können. Wer eine Klimaanlage nutzt, sollte zudem auf eine moderate Temperaturdifferenz zur Außentemperatur achten – ein Unterschied von mehr als sechs Grad ist weder gesundheitlich sinnvoll noch energieeffizient und treibt die Kosten unnötig in die Höhe.
Auch abseits von Kühlung und Standby-Verbrauch lässt sich im Alltag Energie sparen. Wer beim Streaming auf Autoplay verzichtet und nicht durchgehend in höchster Bildqualität schaut, reduziert den Datenverbrauch und damit indirekt auch den Energieaufwand der genutzten Geräte und Netzwerkinfrastruktur. Der heimische Router muss zudem nicht rund um die Uhr laufen, wenn er zeitweise nicht gebraucht wird – etwa nachts oder während längerer Abwesenheit.
Energiesparen im Sommer bedeutet nicht, auf Komfort zu verzichten, sondern die vorhandenen Ressourcen klüger einzusetzen. Vor dem Urlaub reichen wenige, gezielte Handgriffe – Geräte vom Netz trennen, Boiler pausieren, Kühlschrank leeren – um unnötigen Verbrauch während der Abwesenheit zu vermeiden. Und im Alltag zu Hause zeigt sich: Wer konsequent zur richtigen Tageszeit lüftet, die Sonne frühzeitig aussperrt und auf einfache, stromsparende Hilfsmittel wie Ventilatoren und Pflanzen setzt, kommt in den allermeisten Fällen auch ohne teure und energiehungrige Klimaanlage gut durch den Sommer. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern macht die Rückkehr aus dem Urlaub auch deutlich entspannter – ganz ohne böse Überraschung bei der nächsten Stromabrechnung.